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Hormonersatztherapie: Nutzen und Risiken
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Um ein "maßgeschneidertes" Behandlungskonzept für Sie zu erarbeiten, wird Ihr Arzt eine individuelle Nutzen-Risiko-Abschätzung vornehmen, das heißt, er wird die Vorteile einer Hormonbehandlung möglichen Risiken gegenüberstellen. In die Überlegungen wird Ihr allgemeiner Gesundheitszustand, Ihre Krankengeschichte, Ihre Lebensgewohnheiten und Ihr Alter einbezogen.


Nutzen der Hormonbehandlung

Viele Frauen fühlen sich im Klimakterium subjektiv symptomfrei und benötigen keinerlei Therapie. Ein anderer Teil gibt jedoch subjektiv vegetative Beschwerden an. Diese Beschwerden können einen Krankheitswert erreichen, sodass einige Frauen in den Wechseljahren von einer Hormonersatztherapie profitieren können. Eine Verbesserung der quality of life ist in Studien nachgewiesen worden.


Risiken und Nebenwirkungen

Allgemein kann man sagen, dass die Hormonbehandlung gut verträglich ist. In den allermeisten Fällen verschwinden solche Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Wassereinlagerungen und Brustspannen spontan innerhalb weniger Monate nach Einnahmebeginn.

Für einige Frauen kann sich das Risiko erhöhen, eine venöse Thrombose (Blutpfropfbildung in den Venen) zu bekommen. Vor Beginn der Hormonbehandlung wird Ihr Arzt daher abklären, ob solche Risikofaktoren bei Ihnen vorliegen (z.B. erbliche Vorbelastungen, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen etc.).

Es gibt Hinweise darauf, dass bei einer langjährigen Hormontherapie (länger als 5 Jahre) mit zunehmender Dauer der Behandlung das Brustkrebsrisiko leicht ansteigt.

Bei erhöhtem Brustkrebsrisiko (z.B. einer erblichen Vorbelastung) wird der Arzt die Nutzen und Risiken einer Hormonbehandlung sorgfältig gegeneinander abwägen.

Ob mit oder ohne Hormonbehandlung: Die monatliche Selbstuntersuchung der Brust ist in den Wechseljahren sehr wichtig. Nehmen Sie darüber hinaus alle regelmäßigen Krebsvorsorge-Untersuchungen bei Ihrem Arzt wahr.


Um eine Entscheidung über die Dauer und Form der Therapie zu treffen, wird der Arzt gemeinsam mit der Patientin vor allem klären:

  • Liegen medizinische Gründe vor, die gegen eine Hormonersatz-Therapie sprechen (Kontraindikationen, Risikofaktoren)?
  • Hat die Frau ein erhöhtes erblich bedingtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken (Brustkrebserkrankungen naher Blutsverwandter wie Mutter oder Schwester)?

In jedem Fall wird die Patientin in die Nutzen-Risiko-Beurteilung und die Therapieentscheidung miteinbezogen.


Klinische Daten*

In der grossen placebokontrollierten, randomisierten WHI Studie (Women’s Health Initiative) wurde eine Kombination von konjugiertem equinen Estrogen (0.625mg) und Medroxyprogesteronacetat (2.5mg) als HRT bei postmenopausalen Frauen untersucht. Frauen ohne Gebärmutter erhielten das Estrogen allein, Frauen mit Gebärmutter erhielten die o.g. Kombination.

Der Abbruch des kombinierten Studienarmes aufgrund eines erhöhten Risikos für Brustkrebs, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und Thromboembolie sowie der Abbruch des Estrogen Studienarmes aufgrund eines erhöhten Risikos für Schlaganfall, sorgt in Fachkreisen seither für Diskussionsstoff. Bei einer Behandlung ausschliesslich mit Estrogen zeigen die Erkenntnisse aus der WHI Studie eine geringere Interventionsrate wegen Koronarerkrankungen in der Altersgruppe 50-59 auf. Estrogen alleine verursachte keinen Anstieg von Brustkrebs in den ersten 7 Jahren. Auch ist im kombinierten Studienarm kein signifikanter Anstieg des Risikos bei Frauen ohne eine vorherige Hormonersatztherapie beobachtet worden. Der günstige Effekt von Estrogen auf Hüftfrakturen wurde bestätigt.

Da die HRT jedoch weiterhin vielfach mit negativen Auswirkungen assoziiert wird, hat die IMS (International Menopause Society) deshalb im März 2008 ein Expertenstatement hierzu veröffentlicht. Der Artikel mit dem Titel - HRT in der frühen Menopause: Wissenschaftliche Evidenz und weitverbreitete Sichtweisen – führt sehr deutlich die üblicherweise benutzten Argumente gegen eine HRT auf und stellt diesen Aussagen detaillierte wissenschaftlich publizierte Daten aus randomisiert kontrollierten Studien oder Ergebnisse von Fall-Kontroll-Studien gegenüber.

Der langfristige Erhalt der Lebensqualität der Frau ist das Ziel einer HRT. Bei symptomatischen menopausalen Frauen erweist sich die HRT als eine Therapieoption, die zu einer Verbesserung in Bezug auf die quality of life beitragen kann.


* A. Pines, D. W. Sturdee, M. H. Birkhäuser, T. de Villiers, F. Naftolin, A. Gompel, R. Farmer, D. Barlow, D. Tan, P. Maki, R. Lobo and H. Hodis et al. on behalf of the International Menopause Society; HRT in the early menopause: scientific evidence and common perceptions. Summary of the First IMS Global Summit on menopause-related issues, March 29-30, 2008.
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